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In der Versenkung verschwunden - Was aus erfolgreichen Traditionsmannschaften geworden ist...

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In der Versenkung verschwunden - Was aus erfolgreichen Traditionsmannschaften geworden ist...Foto: Eibner-Pressefoto / Fotomontage: HANDBALL.DE
03.01.2014 - 13:37 Uhr

Sportlicher Erfolg ist vergänglich. Das haben bereits einige Bundesligisten erleben müssen. Mannschaften, die früher große Triumphe feierten, spielen im deutschen Handball teilweise nur noch eine untergeordnete Rolle. Zuletzt erwischte es den Frauen-Bundesligisten Frankfurter HC, der im vergangenen Sommer Insolvenz anmelden und einen Neuanfang in der 3. Liga machen musste. HANDBALL.DE stellt fünf ehemalige Erfolgsmannschaften vor, die ein ähnliches Schicksal erlitten - mit unterschiedlichem Ausgang. 

SG Wallau-Massenheim 

SG Wallau-Massenheim
SG Wallau-Massenheim

Die SG Wallau-Massenheim war Anfang der 1990er Jahre die erfolgreichste Mannschaft Deutschlands. Im Jahre 1975 gegründet, gelang bereits neun Jahre später erstmals der Aufstieg in die Bundesliga. Mit klugen Verpflichtungen entwickelte sich der Verein zu einem Spitzenclub. Ein Jahr nach dem Mauerfall wurden die ehemaligen DDR-Auswahlspieler Peter Hofmann und Mike Fuhrig sowie der deutsche Nationalspieler Martin Schwalb (heute HSV-Trainer) unter Vertrag genommen. Mit der Ballsporthalle Frankfurt bekam der Bundesligist zudem ein neues zu Hause. Unter Trainer Velimir Kljaic und später Heiner Brand gewann die SG Wallau-Massenheim 1992 und 1993 die Meisterschaft, 1993 und 1994 den DHB Pokal sowie 1992 den IHF-Pokal. 1998 wurde die SG Wallau-Massenheim aus marketingtechnischen Gründen in “SG W/M Frankfurt - Die Panther” umbenannt. Weil die erhoffte Wirkung ausblieb, erfolgte nur zwei Jahre später die Rückkehr zum alten Vereinsnamen. 

Nachdem die SG Wallau-Massenheim mit jungen aufstrebenden Spielern wie Pascal Hens und Dominik Klein Anfang des Jahrtausends noch einmal für Furore sorgte, ging es ab 2004 steil bergab. Ausgebliebene Sponsorengelder setzten dem ohnehin schon klammen Verein schwer zu. Spielergehälter konnten in der ersten Jahreshälfte 2005 nicht mehr gezahlt werden. Trotz eines Benefizspiels gegen den THW Kiel und weiteren Hilfsaktionen war der Bundesligist nicht mehr zu retten. Der Verein erhielt keine Lizenz für die 1. Liga und musste in der Regionalliga Südwest einen Neuanfang machen. Nach einer zwischenzeitlichen Rückkehr in die 2. Liga spielt die SG Wallau aktuell in der 3. Liga Ost und zählt dort zu den Spitzenvereinen. 

SG Leutershausen

SG Leutershausen
SG Leutershausen

Ob nun in der Halle oder auf dem Feld - die SG Leutershausen war über mehrere Jahrzehnte immer wieder erfolgreich. In der Halle feierte die Mannschaft aus Baden-Württemberg 1968 die Meisterschaft sowie 1966, 1969 und 1992 die Vize-Meisterschaft. Außerdem erreichten die Süddeutschen 1993 das Halbfinale im DHB-Pokal. Auf dem Feld gab es 1969 eine Meisterschaft zu feiern. Im Jahre 2006, nach 11 Jahren Zweitligazugehörigkeit, musste die Spielbetriebs GmbH mit einem Schuldenberg von rund 360.000 Euro Insolvenz anmelden. Es erfolgte ein Neubeginn in der Oberliga. Die ehemaligen Profis Uli Roth und Jörg Büßecker kümmerten sich um das Management, Holger Löhr übernahm das Traineramt. “Wir haben bei Null angefangen”, sagte Roth einmal gegenüber dem Handball Magazin. “Null hieß damals zwar null Bälle und null Trikots, es hieß aber auch null Schulden.” 

Mit hauptsächlich jungen deutschen Spielern, die meist sogar aus der eigenen Region stammten, gelang 2010 die Qualifikation für die 3. Liga. Zwei Jahre später rückte Leutershausen schließlich in die 2. Liga vor. Der 17. Tabellenplatz in der vergangenen Saison hätte normalerweise zum Abstieg geführt. Jedoch verzichteten mehrere Drittligisten auf einen Aufstieg, sodass Leutershausen die Klasse hielt. Seit Januar 2013 wird die Mannschaft von dem ehemaligen Profi Marc Nagel trainiert. Auch in der laufenden Spielzeit geht es für die SG Leutershausen einzig und allein um den Klassenerhalt. 

1. FC Nürnberg Handball

1. FC Nürnberg Handball
1. FC Nürnberg Handball

Der 1. FC Nürnberg zählte zu den erfolgreichsten deutschen Mannschaften aller Zeiten. Sechs Meisterschaften in der Halle, zwei Pokalsiege und einen Challenge Cup Sieg hatten die Damen vorzuweisen. Nur ein Jahr nach der letzten Meisterschaft 2008 musste der Verein Insolvenz anmelden. Etwa zwei Jahre zuvor war bereits die für den Spielbetrieb der Bundesliga-Frauen zuständige Sportförderung Noris GmbH zahlungsunfähig. Die Verwaltungsberufsgenossenschaft machte ihre Ansprüche daraufhin gegenüber dem Verein geltend. Dessen Einspruch gegen die Forderung wurde zwar gerichtlich stattgegeben. Jedoch nur unter der Bedingung, dass der Verein eine Bürgschaft in sechsstelliger Höhe beibringt. Das war dem Handballverein nicht möglich. Also wurde unter dem Dach des 1. FCN ein Nachfolgeverein unter dem Namen 1. FCN Handball 2009 e.V. gegründet. Seitdem spielen die Nürnberger in der Bayernliga, aktuell befinden sie sich dort in der unteren Tabellenregion. 


TV Lützellinden

TV Lützellinden
TV Lützellinden

Sieben Deutsche Meisterschaften, fünf Pokalsiege, ein Europapokalsieg der Landesmeister und zwei Europapokalsiege der Pokalsieger waren die Erfolge der Hessen. Trotzdem geriet der Verein um die Jahrtausendwende herum in eine finanzielle Schieflage. Der ehemalige Trainer Jürgen Gerlach, ein promovierter Orthopäde, hatte dem TVL im Jahre 2002 ganze 500.000 Euro als Privatdarlehen zur Verfügung gestellt. Langfristig konnte auch das die Erfolgsmannschaft nicht retten. Neben der Schuld gegenüber Gerlach gab es 2005 weitere Forderungen gegenüber dem Verein in Höhe von 274.000 Euro. Der Insolvenzantrag wurde mangels Masse abgelehnt. Die Liquidation, also der Verkauf aller Vermögensgegenstände, war damit beschlossen. Mit dem TSV 2006 Lützellinden wurde daraufhin ein neuer Verein ins Leben gerufen. Die Damen gründeten 2012 eine Spielgemeinschaft mit dem TSV Klein-Linden und spielen unter dem Namen FSG Klein-/Lützellinden in der Bezirksoberliga. 

TuS Walle Bremen

TuS Walle Bremen
TuS Walle Bremen

In den 1990er Jahren waren die Damen aus Bremen kaum zu stoppen. Fünf deutsche Meisterschaften, drei Pokalsiege und einen Europapokalsieg der Pokalsieger gab es zu feiern. Viele deutsche Nationalspielerinnen, aber auch internationale Stars wie Anja Andersen, wurden nach Norddeutschland gelockt. Als der Sponsor seine finanzielle Unterstützung einstellte, ging es mit der Erfolgsmannschaft bergab. 1998 erfolgte der Abstieg aus der 1. Liga. 2002 gab es einen Neuanfang in der Kreisklasse. Obwohl die Mannschaft mehrmals aufstieg, kam der Verein nicht mehr richtig auf die Beine. 2008 wurde Insolvenz angemeldet. Es folgte die Auflösung. 90 Prozent der Mitglieder des Sportvereins wurden daraufhin vom TV 1875 Bremen-Walle aufgenommen. Dort steht allerdings nicht der Leistungs-, sondern der Breitensport im Vordergrund. Die Handball-Damen sind erst kürzlich aus der Bremenliga in die Stadtliga A abgestiegen. 

 

Autor: Oliver Jensen
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