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HSG Konstanz bindet torgefährlichen Spielmacher

30.05.2016 - 11:42 Uhr

Nach der Lizenzerteilung für die 2. Bundesliga ohne Auflagen stehen nur noch wenige Wochen zwischen dem Vorbereitungsbeginn der HSG Konstanz auf die insgesamt vierte Saison im Bundesliga-Unterhaus. Neben bislang fünf Neuzugängen wird dabei unter dem Kommando von Cheftrainer Daniel Eblen nach bereits vor Wochen erfolgten Vertragsverlängerungen mit Fabian Schlaich und Paul Kaletsch ein weiterer Leistungsträger aus der Meistermannschaft schwitzen. Matthias Stocker, mit 94 Treffern – davon nur zwei von der Siebenmetermarke – einer der torgefährlichsten Spielmacher der 3. Liga, hat seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bei der HSG um ein weiteres Jahr bis 30. Juni 2017 verlängert.
    
Saison des Lebens, Tor des Lebens, Erfüllung eines Kindheitstraums und auch „Form des Lebens“ – die Saison 2015/16 ist eine ganz besondere für Matthias Stocker. Eine, die der quirlige Spielgestalter nie vergessen wird. Eine, von denen er wahrscheinlich noch seinen Kindern erzählen wird. Doch der gebürtige Spaichinger stellt auch klar: „Mein Ziel ist es, dass ich nach der kommenden Saison sagen kann, dass die Spielzeit 2015/16 meine zweitbeste war.“

Dafür muss der ehrgeizige Mittelmann in der stärksten zweiten Liga der Welt einiges tun, denn die aktuelle Serie wird schwer zu toppen sein. Allen voran das, was sich am 28. November 2015 in der „Schänzle-Hölle“ zutrug. Die Spielzeit abgelaufen, 23:23 der Spielstand gegen die SG Leutershausen im Topspiel der künftigen Zweitligisten. Dann die Szene, die den unberechenbaren Taktgeber gut charakterisiert. Nur wenige hätten das gewagt, was sich Matthias Stocker getraut hat. Ein genialer Moment, einer von vielen in dieser bärenstarken Saison des 28-Jährigen. Für einen kurzen Moment tat sich eine Lücke im massiven Block der SGL auf, kaum größer als der Ball. Die Lücke, die Matthias Stocker zum 24:23-Siegtreffer nach Ablauf der Spielzeit nutze und damit die „Schänzle-Hölle“ in ein Tollhaus verwandelte. Der Moment, den er selbst hinterher als „Tor seines Lebens“ bezeichnete. Schlitzohr, Genie, unfassbar, verrückt, so die Meinung der HSG-Fans, die völlig aus dem Häuschen waren.

Darüber hinaus bescheinigte ihm HSG-Präsident Otto Eblen die Form seines Lebens. 94 Tore als eigentlicher Spieleröffner, die vierbeste Bilanz im Team des Süddeutschen Meisters, sind ein klarer Beleg dafür, aber nicht nur die Tore machen den ehemaligen Balinger so wertvoll für die HSG. Andre Melchert, Sportlicher Leiter der HSG Konstanz, beschreibt seinen schwer zu durchschauenden Ideengeber denn auch so: „Matthias hat dieses Jahr sehr oft gezeigt, dass er ein sehr torgefährlicher Spieler auf der Mitteposition sein kann. Er sucht sehr oft selbst den Weg zum Tor und hat außerdem noch ein sehr gutes Auge für seine Nebenleute. Matthias ist zudem extrem ehrgeizig.“

Ehrgeiz, der ihn nach „seiner Saison schlechthin“, so der BWL-Student selbst, dorthin bringt, wovon er seit Kindheitstagen träumt: die 2. Bundesliga. „Ich habe alles für diesen Erfolg gegeben“, sagt er, „und es hat ungeheuren Spaß gemacht, dazu einen Teil beizutragen. Noch sind die zweite Liga und das Erreichte nicht richtig greifbar, dessen wird man sich erst später langsam bewusst.“ Wer weiß, aus welchem Tal der Tränen der handballverrückte 1,78-Meter-Mann nach schweren Verletzungen und ungewisser Zukunft im Leistungssport kommt, kann leicht abschätzen, wie viel er für ein solch starkes Comeback investiert haben muss. Kein Spiel versäumte er in dieser Saison – als einer von nur drei HSG-Spielern mit allen 30 Saisonpartien. So ist der Ex-Rietheim-Weilheimer bereits vor Vorbereitungsstart schon wieder dabei, sich mit Tennis, Laufen und Spinning eine gute Grundfitness zu erhalten.

Das in ihn gesetzte Vertrauen möchte er ein weiteres Mal rechtfertigen, sich in der stärksten zweiten Liga der Welt beweisen, sich mit der HSG dort gut und schlagkräftig präsentieren – und erneut „Vollgas geben“. Mit der Rolle als Bewunderer neuer Hallen möchte er sich keinesfalls zufrieden geben: „Ich werde wieder mein Bestes geben, damit es so weitergeht wie bisher. Unser aller Anspruch ist es, auch in Liga zwei etwas zu reißen. Darauf freuen sich alle.“ Großes Ziel ist der Klassenerhalt, dieser soll jedoch in kleinen Etappenzielen erreicht werden. Dafür müsse man sich schnell an ein deutlich höheres Niveau in Sachen Schnelligkeit, Dynamik und Körperlichkeit anpassen. Für Matthias Stocker ist dabei eine gute Vorbereitung ebenso wichtig wie schnelles Lernen in der neuen Liga.

Chancenlos sieht er die HSG nicht, denn nach einer Saison mit vielen tollen Spielen und lediglich fünf Niederlagen spricht er von einer verdienten Meisterschaft – und widerspricht der Einschätzung der Konkurrenz, dass es Konstanz ausschließlich aufgrund eines starken Kollektivs auch ohne herausragende Einzelspieler zum Meistertitel gebracht habe. „Ich teile diese Meinung nicht. Wir hatten sicher das beste Torwart-Gespann, mit Fabian Schlaich den wohl besten Linksaußen der Liga, am Kreis mit Simon Flockerzie eine echte Maschine, die bereits viele Jahre in der 3. Liga spielt, dazu mit Paul Kaletsch im Rückraum den zweitbesten Torschützen der Liga und mit Mathias Riedel einen der spielstärksten Rückraumakteure der Liga überhaupt. Und auf Mitte waren wir sicher auch nicht ganz blind.“ Seine Schlussfolgerung: „Wir hatten durchaus sehr, sehr starke Einzelspieler und haben daraus auch noch das beste Kollektiv geformt.“

Der Hype, den die HSG mit ihrem jungen Team und attraktivem Handball in der größten Stadt am Bodensee entfachte, hat Matthias Stocker nachhaltig beeindruckt. „Das war unvergesslich. Was wir gerade in der Rückrunde für einen Lärmpegel in immer wieder voller Halle hatten, habe ich noch nie erlebt. Mit dieser sensationellen Unterstützung hat man richtig gespürt, wie dir jeder diesen Erfolg gönnt und mit dir fiebert.“ So freut sich Matthias Stocker jetzt schon wieder sogar auf die „Quälerei“ in der Vorbereitung. „Ich weiß, dass es etwas bringt, möchte wieder verletzungsfrei sein und mir macht das Spaß. Es juckt schon wieder.“ Bei der Zweitliga-Rückkehr der HSG Konstanz ist es sein erklärtes Ziel, wieder mit genialen Momenten und seiner spektakulären Spielweise die Zuschauer zu begeistern, mit der er das Spiel nicht nur klug leitet, sondern durch seine Torgefährlichkeit auch viel Platz für seine Nebenleute schafft. Schließlich möchte er bald wieder als DJ wie bei den Aufstiegsfeierlichkeiten für allerbeste Stimmung sorgen. „Ich war gefragter denn je und habe die Massen begeistert“, lacht Matthias Stocker.

Quelle: HSG Konstanz
Autor: Handball.de
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